45:29; Bei der Niederlage gegen den HSG Lauingen-Wittislingen fanden die Herren des TSV Meitingen den Sinn des Lebens

Sonntag, 23.09.2018,

In der Luft liegt ein erdiger Herbstwind, die depressiven Jahreszeiten haben ihren Fuß noch nicht gefasst; so begibt sich die zweite Herrenmannschaft des Meitinger Handballvereins mit gutem Gewissen auf den Weg zu einem Auswärtsspiel gegen den HSG Lauingen-Wittingen, der schon beim Zusammenfinden der Spieler einen erstmaligen Tiefpunkt erreichte: Der Jungspund Maximilian Stegmüller vergaß glatt den Bierkasten, den er der Mannschaft zur Motivation und körperlichen Erfrischung beigeben wollte. Diese negativen Schwingungen hob allerdings die erfreuliche Nachricht auf, ein Kasten sei anderweitig ergattert worden!

Nach einer relativ ereignislosen und raschen Fahrt fand sich das Team samt einem überschaubaren Fanclub in Lauingen ein. Die Halle bestand aus einem doch feudalen Hauptbau, der durch weiße Netze und Turnmatten, um diese an Ort und Stelle zu halten, akzentuiert wurde. Der Einrichtung wurde zusätzlich durch äußere, postmodernistische Kunstwerke Leben eingehaucht, was den Spielern einen sprunghaften Start in das Aufwärmtraining ermöglichte. Der gewisse, unsichtbare Impuls und Teamgeist zueinander ließ sich zwar nur schwer finden, aber Teamgeist klingt schon wieder so nach Kommunismus, was ja beides nur in der Utopie funktioniert. So schien zumindest das kollektive Meinungsbild zu sein.

Da jenes Spiel das erste war, in dem Kader sich so zusammenfand, waren Aufregung und Spannung inmitten folgender Spieler doch knisternd hoch: Matthias Brandmayer, der Fels in der Brandung, Simon Keller; der Bruder von Thomas Keller, Maximilian Stegmüller; der wendige Aal mit schwachem Kurzzeitgedächtnis (siehe Kapitel 1), Andreas Nagler; ein Underdog, der es heute wagte, zu den Sternen zu greifen, Patrik „PatLove“ Lovreovic; er hat sogar Fangirls auf dem Mars hat, Lukas Dirr; er war fast schon zu FairPlay, um zum Spiel zugelassen zu werden, Maximilian Dirr; der Siebenschläfer, Ludwig Weber; auch er bekam eine Fairplay-Verwarnung, Michael Schreier; ein willkommener Neuzugang, dem das Spielfeld hoffentlich ein genehmer Ort war, Bastian Hanisch; er hat einfach irgendwas, das kann man nicht leugnen, doch was das ist, weiß er nur selber, Elia Babick; findet es unglaublich, dass man im Handball des 21. Jahrhunderts noch verteidigen muss, Lukas Behammer; als Torwart sah er aufgrund seiner Ausfallschritte erschreckend oft einem Ballettänzer ähnlich und natürlich die beiden Coaches Kevin Murphy und Nicolas Schleicher, welche dem Team erst Leben einhauchten.

Besagtes Aufwärmtraining verlief ganz nach Plan und Nicolas Schleicher plus Kevin Murphy gaben uns noch einige fundamentale Tips, doch da keiner der Spieler den taktisch fortgeschritteneren Strategien etwas abgewinnen konnte, schienen diese Ratschläge keine hellhörige Seele zu finden. Ganz nach diesem Motto der primalen Autonomie konnte die Startaufstellung zu Beginn des Spiels nicht wirklich Fuß fassen. Im Angriff herrschte bei der Mannschaft ein reger Wechsel des Balls. Leider fand dieser oft seinen Weg am Tor vorbei oder wurde gar von dem gegnerischen Keeper gehalten(!), was Kevin M. daraufhin im ersten Timeout zu lösen vermochte. Doch da die Spieler bereits in den ersten 18 Minuten Alles gegeben hatten  stand Kevin nun vor röchelnden, schweißnassen Individuen, die in diesen Umständen noch weniger seiner Tipps aufnehmen konnten.  Trotz einigen, verstreuten Toren der Rückraumspieler fiel die erste Halbzeit mit 11:22 eher mager aus (würde Olmer jetzt sagen). Insgesamt hatte keiner der Spieler innerhalb der ersten Halbzeit außer Simon Keller den Ehrentitel „Shooter“ verdient gehabt.

Nach jenem 30-minütigem Fiasko heizten die Coaches die Umkleidekabine mit anspornenden Sprüchen auf, was dem Stimmungskracher Nicolas Schleicher ohnehin nicht schwerfiel. Unter diesen Sprüchen fanden sich auch einige psychologische Juwelen: Die Spieler lernten, nicht nur verbissen für den Sieg zu spielen, sondern ließen sich wie Kleinkinder von der Idee beeindrucken, die letzten 30 Minuten allein um des Spaßes Willen zu bestreiten. Eine warme Welle der Begeisterung ergoß sich über unsere Gesichter, wir hatten den Herkules in uns entdeckt; und genau so entfaltete sich für uns auch die zweite Halbzeit (das nächste Kapitel, wenn möglich, mit dem Titel „Eye Of The Tiger“ im Hintergrund lesen). Unterdessen trudelte dann auch der leicht verspätete Maximilian Dirr ein und begann sofort mit seinem privaten Aufwärm-und Wachmachungsprozess.

Es begann mit der Legende des Matthias Brandmeyer; eine überirdische Kraft wuchs in seinem linken Oberarm heran, er pfefferte den Ball von zehn Metern durch den Block und hinterließ eine glühende Schneise in der Luft. Legenden besagen, dass der Ball während dieser Flugzeit eine eigene Anziehungskraft entwickelte! Diese Stärke, und auch jahrelanges Training verhalfen ihm zu insgesamt acht Toren, darunter ein Siebenmeter. Wow, was ein Typ! Auch Maximilian Stegmüller (der, der das Bier vergessen hat), konnte trotz einem starken, ihm geltenden Fokus der Gegner hier und denn eine Lücke finden und verhalf dem rastlosen Kader zum Aufatmen. In den Augen Simon Kellers wiederum konnte man ganz klar das Verlangen nach Blut sehen, auch wenn er sich wahrscheinlich nur nach einem saftigen Medium-Steak sehnte. Allein der Ausblick auf Nahrung gibt vielen Spielern einen Grund, noch einmal immens Gas zu geben, was Simon zum Schluß hin auf der Bank zugegebenermaßen schwer fiel (hier geht auch langsam das „Eye Of The Tiger“-Feeling verloren). Sogar meine Wenigkeit, die von der Brutalität anderer Herrenspiele doch noch überrumpelt war, war trotz zwei linker Füße in der Lage, einzelne Bälle per versuchtem Kopftreffer zu versenken. Und nun: The man, the legend; Andreas Nagler! Als die Spieluhr 52:34 schlug, erwachte er aus seiner Hibernation und benutzte seine Ultra-Instinkte, um den Ball aus der rechten Spielfeldhälfte per Lupfer ins Tor zu befördern. Daher wird diese Art des Tore-Erzielens ab 2019 im Duden als „Der Andi“ aufgeführt. Zu guter Letzt versuchte sich Simon Keller an einem Kempa, welchen er pünktlich durch das infamose Streichen der Nase ankündigte und damit mitunter dank einem gekonnten Pass von Lukas Dirr ein sensationelles Tor erzielte. Dem Endergebnis von 29:45 schenkten die Spieler also dank dem Spaß-Faktor gar keine große Beachtung mehr, auch wenn sie nach allen Regeln Kunst geplättet worden waren.

Als sich die Mannschaft schließlich zu einer gemütlichen Runde im Girbo zusammenfanden und dort gepflegt dinnierten, enthüllte Maximilian Stegmüller (der der den Bierkasten vergessen hat) ein dunkles Geheimnis, ein regelrechtes Döner-Disaster: Er bestellte seinen Döner OHNE Soße und gab auch offen zu, dies in der Vergangenheit  ähnlich gehandhabt zu haben. Dennoch kam ein Großteil der Restaurantgäste lediglich mit dem Schock davon, die Gespräche bekamen wieder einen vernünftigen Ton und die seismischen Aktivitäten legten sich wieder 😉

Meitingen, 26.09.2018

PS: Alles obrig Geschriebene ist keinesfalls ernstzunehemen und reiner Jux, abgesehen davon weiß Ich sowieso nicht, wie man Berichte schreibt…